Sommerton-Logo Kunststiftung NRW fördert Auftragskomposition von Michael Wollny und Eric Schäfer für das sommerton-festival 2017 (Künstlerische Leitung: Wilfried Schaus-Sahm)

„MOON“
Nah genug um sein Betreten zu erträumen, gleichzeitig fern und mystisch entrückt ist der Mond die große Projektionsfläche der Menschheit. Durch die Jahrhunderte hinweg von Matthias Claudius` „Der Mond ist aufgegangen“ über den ersten Science Fiction Film „Le Voyage dans la Lune“ bis zu Pink Floyd´s „Dark Side Of The Moon“ spiegeln die Werke ihre jeweilige Epoche.
Das Kompositionsvorhaben von Michael Wollny und Eric Schaefer zielt in Kenntnis dieser inspirierenden Kulturgeschichte unseres Trabanten auf die Konzeption einer kammermusikalische Umgebung, in der Solisten improvisatorisch auf Mondreise gehen können.
Besetzung:
Michael Wollny (Klavier)
Eric Schäfer (Schlagzeug, Electronics)
Christian Weber (Bass)

The Norwegian Wind Ensemble – Leitung Geir Lysne
Das mit 22 Holz- und Blechbläsern aller Register besetzte Norwegian Wind Ensemble dürfte eine der traditionsreichsten und zugleich für verschiedene Stilwelten offensten Formationen aus dem hohen Norden bilden. Das Ensemble wurde 1734 als Militärkapelle gegründet, heute ist es ein Orchester, dessen Musiker die Grenze zwischen notierter symphonischer und aktueller improvisierter Musik aufheben.
,,(…) ein kontrastreicher, vielfarbiger Klangrausch aus Saxofonen, Oboen und Klarinetten, Trompeten, Hörnern und Flöten.“ (Jazzthing)Dass Jazz von der Improvisation lebt, ist hinlänglich bekannt – in der Klassik allerdings ist diese Art des Zusammenspiels – zudem mit einem 20 köpfigen Orchester – bisher noch ein Novum. Grund genug für Jazz Visionär Michael Wollny gemeinsam mit dem Norwegian Wind Ensemble aus genau diesen Koordinaten eine neue Form der Kollaboration ins Leben zu rufen. Jazz trifft auf Klassik in einem bisher wenig bespielten Terrain.Michael Wollny hat mit seinem Trio eine musikalische Einheit geschaffen, die im zeitgenössischen Jazz neue Maßstäbe gesetzt hat. Sie haben die Regeln des klassischen Jazz Piano Trios aus den Angeln gehoben und neu definiert. Und das, ohne auch nur eine Sekunde prätentiös oder angestrengt zu klingen. Das Ergebnis präsentiert sich – auch bei der großen Menge der Einflüsse, die hier Beachtung finden – immer völlig organisch und schlüssig. Nimmt man nun diese telepathisch eingespielte Einheit und stellt ihr ein 20 köpfiges norwegisches Bläserensemble mit ähnlich visionärer Vorgehensweise gegenüber kann man die neuerliche Grenzverschiebung der Möglichkeiten förmlich vorausahnen. Was das Michael Wollny Trio für den kontemporären Jazz ist, ist The Norwegian Wind Ensemble für die Neue Klassische Musik.The Norwegian Wind Ensemble ist mit seiner Geschichte, die bis ins Jahr 1734 zurückreicht, das älteste Orchester Norwegens und die älteste ununterbrochen aktive Kulturinstitution der Welt. Bis heute ist das Ensemble eine feste Größe in der Kultur ihres Heimatlandes, das sich neben der Aufführung historischer Musik im Rahmen seiner ›Real Time Music‹ Reihe indes genauso hingebungsvoll um komplett neue Improvisationsformen im Rahmen klassischer Musik kümmert. Durch die Verbindung aus traditionellen und modernen Instrumenten erreicht das Ensemble einen ganz eigenen Sound, der inzwischen in ganz Europa als Referenz und wichtiger Wegbereiter der zeitgenössischen »Neuen« Klassischen Musik gilt.2015 kam es zur ersten Berührung zwischen Michael Wollny und dem Norwegian Wind Ensemble, bei der Wollny gemeinsam mit Eric Schaefer ›Nosferatu‹ und in 2016 zusammen mit Christian Weber ›l´apres midi d´un troll‹ eine Debussy Bearbeitung bei gefeierten gemeinsamen Konzerten zur Aufführung brachten. Begeistert erkannte Wollny die Möglichkeiten und neuen Wege, die sich aus der Zusammenarbeit mit dem Norwegian Wind Ensemble ergeben würden und initiierte eine neuerliche Zusammenkunft – diesmal allerdings mit seinem kompletten Trio.

Die Zuschauer werden Zeuge, wie aus der Zusammenführung der Improvisation des Jazz im Rahmen der Klassik etwas völlig Neues entsteht!

Uraufführung am 26. August 2017. Sommerton-Festival. Schloss Diersfordt, Wesel.

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Nach der von der Kunststiftung NRW geförderten Weltpremiere beim Sommerton-Festival am 26. August wurde die Sommerton-Auftragskomposition „MOON“ auch in Düsseldorf und Frankfurt präsentiert. ACT-Labelchef Siggi Loch äussert sich enthusiastisch anlässlich der Aufführung beim Rheingau Musikfestival.

– It was extraordinary!, sier legenden/produsenten/direktøren i plateselskapet ACT Music, Siggi Loch, om gårsdagens perfekte månelanding i Frankfurt, Rheingau Musik Festival🌕 Vår kosmiske reise er over for denne gang. Thank you, Michael Wollny Trio, for sharing your spaceshuttle with us🚀 It was such a wonderful experience🎶

Gepostet von Det Norske Blåseensemble am Dienstag, 29. August 2017

 

 

beckershausundname „Im Moment“ – Wilfried Schaus-Sahm, Bilder und Gedichte

5. November bis 2. Dezember 2016 / KünstlerMuseum ° Günther Beckers – an independent museum of art – „Chambre d´artiste“

Vernissage Samstag, den 5. November 2016, 16 Uhr, Ludwigsallee 79 – 52062 Aachen
Musik: Theo Jörgensmann, Klarinette / Lesung der Gedichte: Dr. Claus Cordes
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Bei der Vernissage im  stimmungsvollen „Chambre d´artiste“ des Künstlermuseums Günther Beckers: zwei Stunden intensive Gespräche über Malerei und Lyrik im Kerzenlicht, dazu Musik von Theo Jörgensmann, die aus dem Moment geboren wurde.

 

 

Es wird Wagen geben, die von keinem Tier gezogen werden und mit unglaublicher Gewalt daherfahren.“ (Leonardo da Vinci, italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph, 1452 bis 1519).

Das Neue ist nicht aufzuhalten

Es gibt die These, dass die Verheerungen durch die Pest maßgeblich zur Erfindung des Buchdrucks beigetragen haben sollen. Was auf den ersten Blick unsinnig erscheint, wird nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen führt, dass mit dem massenhaften Sterben schreibkundiger Mönche das Vervielfältigen von Texten und Büchern eine sehr viel dringlichere Angelegenheit wurde. Eine Ikone des digitalen Zeitalters, Bill Gates, hat die Bedeutung der Erfindung von Johannes Gutenberg vor kurzem erst hervorgehoben: „Gutenberg veränderte wirklich die Art, wie wir Wissen teilen und half der Welt, Entdeckungen zu machen, deren Ausmaß ohne das Buch nie möglich gewesen wären.“ Auch die Tatsache, dass Google, der größte Konzern, den die digitale Revolution hervorgebracht hat, Gerhard Mercator 2015 zum 503. Geburtstag ein Doodle auf seiner milliardenfach besuchten Startseite widmete, spricht dafür, dass spätestens mit dem 15/16. Jahrhundert eine sprunghafte Dynamik von Wissenschaft und Technik in Gang kam, nachdem religiöse Denkverbote wegfielen. Welche Großtaten vollbrachten die Universalgenies vor einem halben Jahr tausend! Allein Johannes Keplers und auch Gerhard Mercators gigantische Rechenleistungen machen in einer Zeit, in der Computer inzwischen Billiarden Kalkulationen pro Sekunde bewältigen, noch jeden Mathematiker ehrfürchtig. Unaufhaltsam brachen sich in der Folgezeit Neuerungen Bahn. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts stießen Wissenschaft und Kunst dann mit weitreichenden Folgen in den Bereich unsichtbarer Phänomene, Elemente und Kräfte vor. Vermehrt spielen Frauen dabei eine wichtige Rolle, was in der Kunst- wie Wissenschaftsgeschichte nach wie vor zu wenig gewürdigt wird. Gleichzeitig wurde schon früh von Philosophen, Natur- und Sozialwissenschaftlern auf die Gefahr der Verselbständigung der Technik hingewiesen. Technik, also die „Anstrengung, Anstrengungen zu ersparen“, hatte mit Faustkeil und Rad begonnen, inzwischen setzt sie uns in die Lage, über unsere biologischen Begrenzungen hinauszugehen. Mit Hilfe der Technik greifen wir derart tief in die Erdprozesse ein, dass man überlegt, eine neue geochronologische Epoche, das Anthropozän, einzuführen und der „Chefvisionär“ des Chip-Herstellers Intel prophezeit, dass in naher Zukunft intuitive und gefühlsfähige Computer in den Körper implantiert werden. Wohin diese Entwicklung uns führen soll, lässt sich mit Hilfe der Technik nicht beantworten. Der Mensch hat sich damit selbst vor eine neue Herausforderung gestellt.

Wilfried Schaus-Sahm (Konzept und Programm) (Mercator-Gesellschaft Duisburg)

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Sommerton-Logo Das Programm des Sommerton Festivals 2016 wurde am 17. März 2016 vorgestellt

Künstlerischer Leiter: Wilfried Schaus-Sahm

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Wilfried Schaus-Sahm zeigt neue Werkreihen, u.a. eine 30-teilige Hommage an den Zeichner Horst Janssen. Der Kölner Musiker, Komponist und Multiinstrumentalist Dirk Raulf spielt zur Eröffnung am 23. Januar 2016 Stücke seines aktuellen Soloalbums.

 

 

passagiere2 gedichte von wilfried schaus-sahm

ab sofort als ebook in den onlineshops der großen deutschen buchhändler wie thalia.de, weltbild.de, hugendubel.de, derclub.de, buecher.de, ebook.de und vielen mehr erhältlich.
„beredt sprachlos“ betitelte marcus daniel cremer 1989 die auswahl von gedichten des studierten philosophen wilfried schaus-sahm, die er als band 1 seiner edition mdc herausbrachte. schaus-sahm, der u.a. das 1997 von ihm konzipierte internationale traumzeit-festival in duisburg leitete und aktuell das sommerton festival am niederrhein programmiert, trat seitdem in mehreren einzelausstellungen als maler, grafiker und fotograf hervor. er hat die inzwischen vergriffene gedichtsammlung nunmehr um texte erweitert, die über die jahre hinzugekommen sind. die gedichte werfen einen staunenden, mal liebevollen, mal skeptischen blick auf die dinge des alltags und die conditio humana. sie zeugen von der ungebrochenen neugier des autors und seinem bestreben, sich einen „eigenen reim“ auf die welt zu machen.

veröffentlichungen:
beredt sprachlos : gedichte / von wilfried schaus-sahm, wilfried schaus-sahm,
cremer gladbeck, 1989, isbn 3927488003

christiane schlüter: hinter den worten warten die wunder, jokers augsburg 2011, isbn 978-3-86800-462-5

volker beushausen: where are we landed here …? : 10 jahre traumzeit-festival ; 1997 – 2006;
eine fotografische retrospektive, klartext-verlag essen 2006, isbn 389861543x

robert von zahn: jazz in duisburg, in: jazz in nordrhein-westfalen seit 1946, köln, emons 1999

frankfurter bibliothek. jahrbuch für das neue gedicht, brentano-gesellschaft (frankfurt / m.): gedicht und gesellschaft 2012, isbn 978-3-933800-34-3

 

 

Sommerton-Logo Das Programm des Sommerton Festivals 2015 wurde am 17. März 2015 vorgestellt

Künstlerischer Leiter: Wilfried Schaus-Sahm

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Falls Gott die Welt geschaffen hat, war seine Hauptsorge sicher nicht, sie so zu machen, dass wir sie verstehen können.“ (Albert Einstein)

Das Wissen und der Glaube

 

1,26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.

1,27 Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.

Man kann davon ausgehen, dass Gerhard Mercator keine Zweifel an der biblischen Schöpfungsgeschichte hegte. Als tiefgläubiger Mensch plante er – ausgehend von der Schöpfungsgeschichte – eine Beschreibung des Kosmos (*), wobei er dem griechischen Begriff gemäß alles Geschaffene als Einheit von Ordnung und Schönheit auffasste. Ein Unterfangen, das noch Alexander von Humboldt in seinem Lebenswerk in Angriff nehmen wollte. Wer sich heute mit Gerhard Mercator und seinem Zeitalter beschäftigt, kommt nicht umhin, sich auch „letzte“ Fragen zu stellen, die in der Philosophie ontologisch genannt werden, also auch die Frage, ob dem Kosmos etwas zugrunde liegt, das Stephen Hawking als „den großen Entwurf“ umschreibt oder „Der Spiegel“ „das unsterbliche Gerücht“ nennt. Als Mercator den Magnetpol vom Himmel auf die Erde verlegte, geriet seine wissenschaftliche Erkenntnis in Widerspruch zu den Dogmen der Kirche. Er wurde von Inquisitoren der „luttherey“ bezichtigt und kurzzeitig inhaftiert. Mercators Leben und Wirken ist ein Beispiel für das Dilemma von Forschungsdrang und Bibelglaube, das den Aufbruch zur Moderne kennzeichnet, in einem erodierenden Prozess zum Verlust der kirchlichen Deutungshoheit führte und in der Aufklärung schließlich im Kantschen Postulat „sapere aude!“ – „wage zu denken!“ gipfelte. Es war dann dem studierten Theologen Charles Darwin vorbehalten, eine zweite Revolution des christlichen Weltbildes in Gang zu setzten, als er darauf, beharrte, seine Theorie der Entwicklung der Arten nicht theologisch, sondern naturwissenschaftlich zu begründen. Mehr als 500 Jahre nach Mercator ist die Freiheit des Denkens und die Freiheit der Wissenschaft weltweit keine Selbstverständlichkeit und wird durch religiösen Fanatismus und religiös motivierte Gewalt bedroht.

Auch in unserer säkularisierten Gesellschaft, in der die früheren engen Bindungen an die Religion gelöst und das gesellschaftliche Leben zunehmend auf Basis menschlicher Vernunft begründet wurde, gilt es, die Errungenschaften des Humanismus und der Aufklärung ständig vor Gefährdung zu schützen.

Im Spannungsverhältnis von Wissen und Glauben kann man vermuten, dass der Kosmologe Gerhard Mercator dem Kosmologen Albert Einstein zugestimmt hätte: „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“

Wilfried Schaus-Sahm (Konzept und Programm) (Mercator Gesellschaft Duisburg)

M-Matineen-Heft 2015

 

 

idol „das besondere stück“ – kleinode aus der sammlung köhler-osbahr

unter diesem motto stellt wilfried schaus-sahm herausragende einzelstücke der münz- und antikensammlung köhler-osbahr vor, die in der ‚aktuellen vitrine‘ im kultur- und stadthistorischen museum zu sehen sind.ist das moderne kunst? man könnte es vermuten, doch die nur knapp 11 cm große figur wurde bereits 1200 – 1000 v.chr. in bronze gegossen.

derartige kleinplastiken aus der vor- und frühgeschichte werden als idole bezeichnet, weil man davon ausgehen kann, dass sie eine kultische bedeutung hatten.

sie könnten objekte eines zeremoniellen tauschhandels gewesen sein oder eine rolle in begräbnisriten gespielt haben. der große aufwand zu ihrer herstellung, die wahl des edlen materials und nicht zuletzt ihr ästhetischer wert deuten darauf hin, dass sie ein kostbarer persönlicher besitz waren und vereinzelt ihrem besitzer ins grab beigegeben wurden. mit dem aufkommen der abstrakten kunst im 20. jahrhundert wurden die idole wieder entdeckt. bedeutende künstler der moderne griffen die prähistorische bildsprache auf. hans arp zum beispiel oder auch constantin brancusi orientierten sich bei ihren plastiken an den wiederentdeckten vorbildern.

das in der aktuellen vitrine der köhler-osbar-sammlung ausgestellte männliche idol läuft von der körpermitte nach unten – wie ein nagel – spitz zu und stammt aus nord-ost-anatolischem gebiet. mit seinem vogelartig modellierten kopf und den ausgebreiteten armen verblüfft es den betrachter tatsächlich durch seine scheinbar abstrakt-moderne gestaltung.

die sammlung der köhler-osbar-stiftung befindet sich im kultur-und stadthistorischen museum, corputius-platz 1 und ist dienstags bis donnerstags von 10 – 17 uhr, freitags von 10-14 uhr, samstags von 10-17 uhr und sonntags von 10-18 uhr geöffnet.

 

matinee2014 «Ich möchte Weltenbürger sein, überall zu hause und überall unterwegs.»
(Erasmus von Rotterdam, 1465 – 1536)

Mercator war ein Stubenhocker

Von Blaise Pascal stammt die Vermutung, dass alles Unheil in der Welt letztlich daher rührt, dass der Mensch nicht zu Hause bleiben und still sein kann. Nun scheint es aber in unserer Natur zu liegen, keine Grenzen, auch keine geographischen, akzeptieren zu können. Bei der dritten Staffel der Mercator Matinéen haben wir deshalb dem Thema Reisen und Entdecken – im weit gefassten Sinne – einen Schwerpunkt gewidmet. Zu Beginn der Neuzeit hatte sich die Mobilität der menschlichen Spezies in dramatischer Weise entwickelt. Der Bau hochseetauglicher Schiffe vom Karavellen-Typus, aus der arabischen Welt stammende Kenntnisse über die astronomische Nautik, die Instrumentenverbesserung der Astrolabien und Quadranten machten monatelange Seefahrtsexpeditionen möglich. Gerhard Mercators geniale Idee der Kartenprojektion bot endlich bislang ungeahnte Sicherheit bei der Navigation und seine wegweisenden Ideen befinden sich heute in jedem GPS-Gerät. Obwohl selbst ein Stubenhocker, hat Mercator das Reisen enorm erleichtert. Seine kartographische Arbeit gründete nicht zuletzt wiederum auf Reise- und Expeditionsberichten. Die Beschwernisse solcher Unternehmungen – ob zu Land oder zur See sind aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehbar. Es heißt, dass Mercator solche Beschwernisse auch ungern auf sich nahm. Die Erfindung des Automobils, erst recht die Erfindung des Flugzeugs, der Bau ozeantauglicher Kreuzfahrtschiffe, die schwimmenden Städten gleichen, haben eine Industrie entstehen lassen, deren Auswirkungen auf unser Wirtschaftssystem und unsere ökologischen Lebensbedingungen immer dramatischer zutage treten. In diesem Zeitalter der billigen Verkehrsmittel kann jeder vom Sofa per Computer für den nächsten Tag einen Flug nach Mallorca buchen, der weniger kostet, als eine Taxifahrt vom Duisburger Süden zum Duisburger Norden. Die Folgen für die Atmosphäre verdrängen wir dabei gerne – ein Phänomen, das die Wissenschaft „Causale Distanz“ nennt. Wir lassen uns in unseren Fahrzeugen von einer freundlichen Computerstimme zur „Destination“ leiten und sind unterwegs in Welten, von denen Mercator oder Kepler nur träumen konnten. Die Reise ins Weltall ist keine Utopie mehr und der Weltraumtourismus lediglich noch eine Frage der Zeit. Nur der größte Lebensraum der Erde – tausende Meter tief im Ozean –ist bis heute nicht kartographiert und uns größtenteils unbekannt. Es waren mehr Astronauten im Weltall als Menschen in der Dämmerwelt der Tiefsee. Ich wünsche uns allen unterhaltsame und erkenntnisreiche Mercator Matinéen 2014. Eine von Marcel Proust einst formulierte Erkenntnis könnte dazu gehören: „Die wahren Entdeckungen bestehen nicht darin, neue Landschaften aufzusuchen, sondern neue Augen zu haben.“Landschaften aufzusuchen, sondern neue Augen zu haben.“

 

 

PDF des Programmheftes:
> pdf – programm der mercator matinéen 2014